Am Sonntag, den 7. Dezember 2025, empfing die orthodoxe Kirche der heiligen ehrwürdigen Mutter Paraskeva von Serbien den Chor der Gemeinde der heiligen Erstberufenen Apostel Petrus und Paulus (Karlsruhe). Das Konzert zog ein zahlreiches Publikum an: Die Kirche war mit Zuhörern gefüllt, unter denen sich nicht nur Gemeindemitglieder, sondern auch weltliche Gäste befanden, die ein aufrichtiges Interesse an Chormusik und der orthodoxen Tradition zeigten. Das Programm wurde von Glockenklang begleitet, vorgetragen vom professionellen Glockenläuter Bogdan Berezkin (Minsk), der sich organisch in das musikalische Geschehen einfügte.
In einer einleitenden Ansprache erfuhren die Zuhörer mehr über die Geschichte der geistlichen Musik und die Bedeutung des Chorgesangs für die orthodoxe Kultur. Während des Konzerts präsentierten die Musiker Gesänge in armenischer, russischer, serbischer, kirchenslawischer, griechischer, ukrainischer, georgischer und lateinischer Sprache. Das mehrsprachige Programm unterstrich den besonderen Charakter der Kirchenmusik und ihre Fähigkeit, Menschen unterschiedlicher Traditionen und Kulturen zu verbinden.
Orthodoxes Glockenspiel
Der Glockenläuter Bogdan Berezkin machte das Publikum mit der Tradition des bulgarischen Geläuts sowie mit dem roten (österlichen) und dem wasserweihebezogenen Geläut vertraut. Das Glockenläuten gilt seit jeher als Symbol des Gebets, der Einheit und des geistlichen Erwachens, und an diesem Abend wurde es von den Zuhörern als besonderer geistlicher Akzent wahrgenommen, der die emotionale Wirkung des Konzerts verstärkte.
Den Abschluss des Konzerts bildete das Lied „Unser Glaube“, das von den Chören der russischen und der serbischen Kirche gemeinsam gesungen wurde – als Zeugnis geistlicher Einheit. Anschließend erklang ein festliches Schlussgeläut, das das Hinausgehen von Licht und Freude in die Welt symbolisierte. Das Publikum reagierte mit lang anhaltendem Applaus, und viele Zuhörer teilten ihre Eindrücke von der tiefen und bewegenden Atmosphäre des Programms.
Das zweite Konzert der Reihe fand am Samstag, den 20. Dezember 2025, in der altkatholischen Kathedrale der Stadt Karlsruhe statt und zog ebenfalls zahlreiche Zuhörer an. Interesse zeigten sowohl Vertreter orthodoxer Gemeinden als auch weltliche Gäste, für viele von ihnen war es die erste Begegnung mit der Tradition des orthodoxen Chorgesangs. Das Publikum nahm das Programm sehr herzlich auf und hob dessen geistliche Tiefe sowie die Professionalität der Ausführenden hervor.
Einen besonderen Platz in der Wahrnehmung beider Konzerte nahm das Thema des kirchlichen Gesangs als untrennbarer Bestandteil der gottesdienstlichen Tradition der Russischen Orthodoxen Kirche ein. Im Gegensatz zur Konzertmusik wurde der Kirchengesang ursprünglich nicht für die Bühne geschaffen, sondern für das Gebet, für das gemeinsame Erleben geistlicher Wirklichkeit. Seine Aufgabe ist es nicht nur, den Gottesdienst zu verschönern, sondern auch die Gedanken und Gefühle des Menschen zur inneren Stille, zur Reue und zur Freude zu führen.
Die Tradition des orthodoxen Chorgesangs hat sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt und vereint byzantinisches Erbe, altrussische Gesänge und spätere kompositorische Stile. Trotz historischer Veränderungen bleibt ihr Wesen unverändert: Es ist eine Musik, die sich nicht so sehr an das Ohr, sondern an das Herz richtet. Gerade deshalb finden Konzerte geistlicher Musik zunehmend Resonanz auch bei einem breiten, nichtkirchlichen Publikum, das in der Kunst nach Tiefe, Sinn und einer echten Begegnung mit der geistlichen Kultur sucht.
Beide Abende haben gezeigt, dass das Interesse am orthodoxen Chorgesang weit über den kirchlichen Rahmen hinausgeht. Für viele Zuhörer wurden diese Konzerte nicht nur zu einem musikalischen Ereignis, sondern auch zu einer persönlichen Entdeckung der reichen Tradition orthodoxer geistlicher Musik.

